Nur F1 und MotoGP? Warum der Red Bull Ring mehr Kalender verdient hätte
Photo: Basher Eyre, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Man muss sich das einmal klarmachen: Eine Grand-Prix-taugliche Rennstrecke mit modernster Infrastruktur, eingebettet in die steirischen Berge, steht 48 Wochen im Jahr weitgehend leer. Zwei große Wochenenden – Formel 1 im Sommer, MotoGP im August – füllen die Tribünen. Der Rest? Schweigen über dem Spielbergberg.
Das ist aus wirtschaftlicher Sicht verständlich. Aber aus Motorsport-Sicht ist es – vorsichtig formuliert – eine vertane Chance.
Die Strecke ist da. Die Serien auch.
Die DTM hat ihre beste Zeit am A1 Ring in den frühen 2000ern gehabt, und wer damals dabei war, weiß: Ein GT-Feld auf dieser Strecke ist ein Fest. Heute rollen Serien wie das ADAC GT Masters oder die DTM wieder durch Europa – und Österreich schaut zu. Dabei wäre Spielberg für Teams und Zuschauer aus Süddeutschland, Italien und Slowenien problemlos erreichbar.
Auch historische Serien wären hier goldrichtig. Die Strecke hat Geschichte – von den Österreichring-Zeiten bis heute. Ein Oldtimer-Event im Stil des AvD-Oldtimer-Grand-Prix würde in der Steiermark sicherlich mehr als nur ein paar hundert Zuschauer anziehen.
Was die Region davon hätte
Ein Rennwochenende bringt der Region Spielberg nachweislich Millionen. Hotels, Gasthöfe, Buschenschänken – alle profitieren, wenn die Fans kommen. Zwei Wochenenden im Jahr sind ein schönes Geschäft. Zehn bis zwölf wären ein Standbein. Gerade im ländlichen Raum, wo der Tourismus saisonabhängig ist, wäre ein erweiterter Veranstaltungskalender mehr als nur ein nettes Zusatzeinkommen.
Dazu kommt: Mehr Events bedeuten auch mehr Medienpräsenz. Und mehr Präsenz bedeutet mehr Sponsoren, mehr Nachwuchsfahrer, die sich für den Motorsport begeistern, mehr Kinder, die am Zaun stehen und denken: Das will ich auch machen.
Das Nachwuchsargument
Österreich hat eine Tradition im Nachwuchsbereich, aber die Förderlandschaft ist zersplittert. Eine nationale Rennserie – sei es im Kart, in Formel-Autos oder im Tourenwagen – mit festem Saisonhöhepunkt am Red Bull Ring wäre ein Leuchtturm. Fahrer wie aus der Formel-3- oder Formel-4-Szene bräuchten nicht erst nach Hockenheim oder Monza zu fahren, um vor heimischem Publikum zu zeigen, was sie können.
Vergleicht man das mit Belgien oder Italien, wo nationale Serien flächendeckend existieren, hinkt Österreich deutlich hinterher. Das liegt nicht am Talent – das liegt an der Struktur.
Warum also die Zurückhaltung?
Die Antwort ist wohl: Wirtschaftlichkeit und Prioritäten. Der Ring gehört zu einem Konzern, der auf Profitabilität achtet, und große Serien sind teuer einzukaufen. Verständlich. Aber es gibt Mittelwege: kleinere Serien, Clubsport-Veranstaltungen, Trackdays, historische Rennen. Nicht jedes Wochenende muss ein Formel-1-Grand-Prix sein.
Fazit: Mehr wagen
Der Red Bull Ring ist ein Juwel – aber ein Juwel in der Vitrine nützt niemandem. Österreich verdient einen Kalender, der dem Anspruch der Strecke gerecht wird: mehr Rennserien, mehr nationale Präsenz, mehr Anlässe, um den Motorsport im Land zu feiern. Die Infrastruktur steht. Die Fans stehen bereit. Jetzt fehlt nur noch der Mut zum vollen Kalender.